#Mikroexploration – Das Neue Zeitalter der Entdeckung

#Mikroexploration – Das Neue Zeitalter der Entdeckung

Entdeckungen.

Eine Sache der Vergangenheit, als es noch weisse Flecken auf der Landkarte gab?

Vielleicht nicht, wenn man bemerkt, was es alles zu lernen und zu sehen gibt, zumindest für uns persönlich.

Nennen wir es Mikroexploration.

Das Beispiel Microadventure

Verglichen mit den grossen Abenteuern, die andere an exotischen Orten zu haben scheinen, wirken unsere kleinen bekannten Teile der Welt wie nichts.

Man kann aber nicht ständig nur reisen – und ist man nur noch auf Achse, wird man feststellen müssen, dass das nicht immer so toll ist, wie es gerne dargestellt wird.

Wie Alastair Humphreys erfolgreich gezeigt hat, kann man Microadventures aber überall haben. Er hat sie sogar definiert als „Abenteuer, die kurz, einfach, lokal, billig“ sind, „- und dennoch spassig, aufregend, herausfordernd, erholsam und lohnend“.

Nur ein kleiner Schritt hinaus

Mann muss nicht weit fahren, keine grossen Gefahren erleben, um sich etwas aus der eigenen Komfortzone zu bewegen. Den meisten von uns reicht es schon, nur im eigenen Garten zu übernachten, um einen Hauch von Abenteuer zu erleben.

Das mag wie viel zu wenig Abenteuer erscheinen, aber in Anbetracht des Wenigen, was wir oft von unserer Umgebung wissen, ist es ein guter Anfang.

Man muss nur etwas weiter gehen, vermehrt andere Wege nehmen, in Hitze oder Kälte unterwegs sein… und schon gibt es einiges an Abenteuer, an Entdeckungen.

Abenteuer, das klingt aber immer danach, dass man sich verausgaben müsste, etwas abenteuerliches unternehmen müsste.

Es klingt nach aussergewöhnlichen Dingen, die man unternimmt, um etwas aussergewöhnliches zu tun.

Winter Biwak im Schnee
Der Schlafplatz, der war schon ein kleines Abenteuer…

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Es wäre gut für uns, uns in dieser Welt heimisch zu machen. Das geschieht nicht durch Abenteuer, das macht man, indem man die Welt entdeckt.

Entdeckungen?

Was könnte man noch entdecken wollen, wenn das Weltall die letzte verbleibende Grenze ist? Was gibt es noch zu erkunden, wenn eine einfache Google-Suche alle Antworten liefert?

Wir fallen hier einem Missverständnis zum Opfer.

Wir werden Opfer von oberflächlichen Leben, die grossartige Gelegenheiten, mehr zu lernen und besser zu leben, übersehen.

Wenn man auch „nur“ auf Microadventures geht, wird man schon Neues erleben. Man lernt es aber noch nicht so viel besser kennen.

Wenn man weithin reist, dann wird man wohl an die Orte gelangen, die man gesehen haben muss. Über sie wirklich viel wissen wird man deswegen aber noch längst nicht.

Verbindet man Reisen und Microadventures mit dem Lernen aus Büchern und andernorts, dann kann man allerdings an Erfahrungen wie auch an Wissen wachsen.

Und es gibt noch mehr…

Hallstatt-Bahnschild in Winternacht
Hallstatt ist überlaufen, *ein* Platz darin ist ein Foto-Muss – aber die Zeiten und Wege, an denen ich mich angenähert habe, waren schon etwas anderes…

Nichts Neues unter der Sonne?

Einer der Hauptgründe, warum wir glauben, es gäbe keine Entdeckungen mehr: Wir denken, Entdeckungen wären nur etwas, was geschah, als nur wenig von der Welt bekannt war.

Jetzt müssen wir nur noch online nach Antworten suchen. Das Wissen der Welt liegt, wie es so heisst, unter unseren Fingerspitzen.

Nur stimmt das nicht.

Es gibt tatsächlich viele Dinge, die viel weniger bekannt sind, als wir glauben würden.

Die Pflanzen und Tiere, die um uns herum leben, sind uns oft völlig unbekannt.

Unser alltägliches Essen kennen wir oft viel weniger, als wir uns überhaupt bewusst sind.

Die Wege nach links, wo wir immer rechts gehen, die kleinen Gassen dazwischen, die Fassaden, an denen wir nie hochblicken, während wir uns auf alltäglichen Wegen abhetzen… sie alle sind Neues.

Persönliche Entdeckungen

Natürlich sind das jetzt keine ganzen neuen Kontinente, die nur auf grosse Entdecker warten. Jene Geschichte hat sich aber auch als ein ziemliches Schönreden einer blutigen Geschichte des Kolonialismus herausgestellt.

Viele Themen aber harren allerorts ihrer Entdeckung.

Insbesondere, wenn wir an unsere persönliche Beziehung zur Welt denken, wird Mikroexploration interessant.

Was wir lernen, für uns selbst entdecken und daraus an Wissen und Erfahrungen reicher werden können, das kann sehr persönlich sein – und wird es wert sein.

Neue Dinge müssen nur für die individuelle Person neu sein, um eine kleine Entdeckung darzustellen. Mikroexploration nach eigenen Interessen wird der interessierten Person immer noch einen Profit bringen.

Veilchen im Morgenlicht, von nahem
Die Veilchen im Vorgarten, aus näherer Perspektive, in speziellerem Licht… schon hier gibt es vieles, ganz im Sinne der Mikroexploration, zu entdecken!

Wie also Mikroexploration betreiben?

Man muss nur diese Neugier fördern, etwas sitzen bleiben und etwas studieren, hinausgehen und die Augen aufmachen, zurückkehren und Wissen weiter vertiefen.

Tatsächlich ist es doch diese Mischung, die die Menschheit so weit gebracht hat.

Erkundet man weiter, was man mit diesem Wissen und diesen Erfahrungen tun kann, wird man noch weitere Möglichkeiten entdecken.

In Zeiten von Klimawandel und Furcht vor dem Anderen – oft aus Unwissen nur umso schlimmer – da braucht es Entdecker der Welt umso mehr.

Im Studium und durch Reisen, in praktischer Arbeit und in Geschichten.

Und so,

We shall not cease from exploration
And the end of all our exploring
Will be to arrive where we started
And know the place for the first time.


T.S. ELIOT (1943)

[Wir lassen niemals vom Entdecken
Und am Ende allen Entdeckens
Langen wir, wo wir losliefen, an
Und kennen den Ort zum ersten Mal.]

ÜBERSETZUNG VON NORBERT HUMMELT IN T.S. ELIOT: VIER QUARTETTE. FOUR QUARTETS. BERLIN, SUHRKAMP VERLAG, 2015.

Wir werden uns hier noch mit einigen Ideen befassen. Wage ich es, zu sagen, „Wir werden noch einige Ideen erkunden!“? 😉

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